Lockerflockig

Heute morgen aufgewacht, um sechs, mein Gott, bin nur noch am Arbeiten, und draussen ein Viertelmeter Schnee.Ottawa-Nov-Dez-07-077
Dann ging das den ganzen Tag so weiter, sogar Bogenschiessen wurde abgesagt. Vorbereitet ist man hier auch nicht mehr als zuhause, Busse mit halbstuendiger Verspaetung, dann die Bremstechnik, fuenf Meter vor dem Stop Vollbremsung, anschliessend kontrolliertes Rutschen bis zur kleinen Scharte in der Schneemade am Strassenrand, durch die man in den wie immer angenehm ueberheizten Bus schluepft. Hoffentlich schmilzt das alles wieder bis zum Vierzehnten, sonst gibts noch kanadische Weihnacht, oder die Propeller vereisen und fertig Stefanie.

Den Seelenschmerz nun kuenstlich blockiert, weitersehen. Und die versprochenen Fotos im Kommentar.

Schnee und Schweizer

Nun doch keine Faelle, zu viel Schnee auf den Strassen, und schwarz raeumt hier niemand. Dafuer eine Aktivitaetspalette, wie sie mein Leben in der Hauptstadt noch nicht gekannt hat: Parlament beim Beraten beschauen, Museum (dritter Versuch hat geklappt), Imax, im Park spazieren, inklusive Autostop, da kanadische Dimensionen noch nicht realisiert, anschliessend Spa.
Am Busstop die Bekanntschaft eines Zuerchers, zwei Strassen weiter wohnend, auch noch Hausbesuch, denn seine Unterkunft, gross und vor allem: sauber, zu vermieten und dank guenstiger Miete eine Option fuer August. Andererseits, ich, und alleine wohnen, man muss fast lachen.
Momentan postmaternale Depressionen, so erfolgreich haben wir uns gegenseitig von seelischen Qualen abgelenkt.

zwischenberichten

Das ist nicht Faulheit, sondern Fuersorge und ein unheimlich anmutender Unistress, die mich davon abhalten, der Welt meine Erlebnisse mitzuteilen. Fuersorge weil die Mutter ja nun hier ist, mir Gesellschaft leistet und mich hervorragend bekocht und beputzt, auch den Finanzen gehts wieder besser, nachdem der letzte Miete-Check geplatzt war. Eigentlich gibt es wirklich wichtige Neuigkeiten, so wichtig wie sie nur sein koennen in meinem beschraenkten Kosmos, da waere zum Beispiel der Besuch in Kingston, ein fast schon europaeisch anmutendes Staedtchen am Lake Ontario, mit einer Faehre die einen auf verlassene Inseln bringt, dazu muessen aber noch die Fotos folgen, deshalb sei an dieser Stelle auf einen spaeteren Beitrag verwiesen. Ebenso, wenn nicht wichtiger, die neuen Stiefel, ein Kniefall vor dem Klima und dennoch attraktiv, die nehm ich in den Halloweenhimmel mit, weil dort hat es manchmal auch Schnee, man darf ja waehlen im Himmel, oder. A propos Himmel, bis vorgestern waren wir in Gaspé, nach dem westlichsten Punkt Afrikas nun der oestlichste Kanadas. Siebzehn Stunden Zug, und Meer und Kaelte, Regen und Sonne. Auch hier muessen Bilder folgen. Morgen dann Abreise nach Niagara, siebeneinhalb Stunden hin, siebeneinhalb Stunden zurueck, nur fuer Wasser und Beleuchtung.
Letzte Woche, nachdem ich einen Prozentrechner konsultiert hatte (Prozentrechnen geht einfach nicht in den Kopf, genauso wie die Stockizubereitung, jedesmal die Packung lesen, unglaublich), habe ich zudem festgestellt, dass ich exzellente Noten habe, die ersten drei As, auf dass sie sich vermehren.

Halloween

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Haette niemand gedacht, jedenfalls ich nicht, dass Halloween eine super Erfindung ist, so stell ich mir dann den Himmel vor. Die ganze Stadt verkleidet, so viel Selbstironie sieht man den Leuten sonst nie an. Zuerst ein bisschen WG-Party, habe kostuemgerecht einen Kuchen gebacken, wieder Schokolade, weiss also nicht wie er geschmeckt hat. Einige seltsame Leute angetroffen, Schockerlebnis mit einem Maskentragenden, der Schweizerdeutsch sprach, irgendwoher sollte ich den aber gekannt haben. Und herausgefunden, dass auch ein Fribourgabsolvent unter den Internationals weilt, ich werde das mit der Welt und klein jetzt aber nicht sagen. Dann irgendwie aus dem Haus, ohne Jacke, und ploetzlich in Gesellschaft franzoesischer Aufblaskostuemetragenden, und die Bar nahm uns nicht, weil die Irin keine ID mit hatte und der Braeutigam gesichtet wurde mit einer Bierflasche auf dem Buergersteig, die Freunde waren drinnen, aber das Problem klaerte sich schnell, als diese in Form zweier Wonderwomen aus dem Klub geschmissen wurden. Dann noch viele Irrungen, Fotos mit Fremden und eine Trauung von Fee und Braut durch einen alkoholischen Ureinwohner. Zurueck im Haus wollte ich eine Taxe ordern, aber eine Stunde warten wollte ich dann doch nicht, und schlief drei Stunden auf dem Sofa, bevor zerdrueckt und lichtscheu auf den Bus.
Kontrast zum vorherigen Zustand, wieder essen und schlafen und keine tiefgefrorenen Teeloeffel mehr morgens. Hoffentlich haelts.

Insbesondere Literatur, gewollt und nicht

Am Dienstag ging man festen mit den Maedchen vom Studium, das war sehr, sehr lustig. Wir waren zwoelf, und waehrend der acht Stunden, die wir essend, trinkend und in der Stadt umherirrend verbrachten, gingen drei verloren. Tauchten aber immer wieder auf. Zum Schluss nummerierten wir an jeder Strassenecke durch, ich war fuenf. Bei Mylene zuhause ging es unheimlich lebhaft zu, zum Ende hoerte niemand mehr zu, alle redeten und schrien sie. Auch das System mit der Kleenexbox (wer sie hat darf reden) konnte dem nicht abhelfen. So kam es dann, dass mich morgens neben einem leichten Schwindel auch Bauchmuskelkater quaelte, vom vielen Lachen.
Ansonsten ruhige Tage. Nervenprobleme wegen der Bibliographierecherche, die mir in meinem Amt als Forschungsassistentin aufgetragen wurde. Niemand schreibt ueber den Zusammenhang von representation sociale du travail, nouvelles formes de gestion, et toxicomanie. Das lasst euch gesagt sein. Deshalb gestern das Zusammengesuchte, vier Seiten Bibliographie gabs dann doch, geschickt und gesagt Hilfe, nichts passt so wirklich, und der Professor sagt heute, merci pour ton excellent travail. Auf mein Urteil verlass ich mich nicht mehr.
Heute um ein Uhr morgens Brot gebacken, das mit Schlafen und Essen funktioniert im Moment nicht reibungslos, da muss man sich ein bisschen haetscheln. Oh ja, apropos, habe entdeckt, dass die Bibliothek eine anstaendige Sammlung deutscher Literatur besitzt, da habe ich mich daran gemacht, alte Lieblinge wiederzulesen, nur die Hochzeit von Lyon, die gibt es hier nicht.

Die Woche rekapitulieren.

Oh, ich beeindrucke mich selber, Nachtessen mit Professor, das ist was wovor ich mich unter normalen Umstaenden garantiert gedrueckt haette, aber nein, ich meldete mich freiwillig. Ich gebe jedoch zu, dass ein gewisser Fatalismus der Entscheidung inhaerent war; wenn eh schon alle deinen Vornamen kennen, in meinem Falle oftmals das gesamte Dossier, so ist es kein grosser Schritt mehr zur Aufgabe jeglicher Distanz- und Anonymitaetsallueren. Und ich war ja nicht allein, nur die einzige, die genuegend Respekt verloren hatte, um mit dem Prof die Flasche Wein zu teilen. Danach ging aber die Konversation leichter, und man kann hier ja alles damit erklaeren, dass man halt Schweizerin ist, dort macht man das eben so. Bei der Gelegenheit zeigte sich dann auch noch, dass die Mitstudentinnen tatsaechlich nicht nur schoen, sondern auch aeusserst unterhaltsam sind, obwohl nur ich den Wein hatte.
Um noch den kulturellen Gehalt der Woche hervorzuheben, da war ein Konzert des Ottawa U Wind Ensembles, inklusive Nationalhymne zu Beginn, da musste man stehen, dabei haette man lieber bei anderen Gelegenheiten getanzt. Und wieder Kino, aber wer wuerde nicht, sechs Dollar und lotterige Sitze, der Charme ist einfach unbezwingbar. Drum muss man auch morgen schon wieder hin, ist super, alle verpassten Filme hier nachholen.
Die klimatische Situation hat sich unterdessen verschlimmert, draussen ists wieder warm, alle Fenster offen, Unterleibchen und kurze Hosen und trotzdem Hitzewallungen. (Lustig, kurze Hosen bezieht sich natuerlich nicht auf mich, die Aussicht auf zwei Exileuropaeer im Umfeld hat gewirkt. Oh, und das habe ich glaub ich noch gar nicht erwaehnt, brrrr, die graessliche Garderobe der grossen Mehrheit Frauen hier, brrr, wirklich. Flipflops und Trainerhose mit Kapuzenpulli und Duschfrisur und die trauen sich aus dem Haus, Schock, echt. Man lenkt die Aufmerksamkeit auf sich, weil man die einzige Person an der Uni ist, die Absaetze traegt und daher nicht lautlos durch die Gaenge huscht, irritierend das.)
Und gestern Geburtstag von A., junges Blut. Habe einen Schoggikuchen gemacht, ein wirkliches Opfer, weil den mag ich ueberhaupt nicht. Konnte zudem drei Weinhasser mit saurem gespritzten Weisswein ueberzeugen, vor dem mexikanischen Essen, danach fast eine Busse, weil mit Sangria und Zigarette ausserhalb der Restaurantterrasse stehend. Aber wenn man immer lacht, dann wird man nicht wuetend ob solcher Absurditaeten.
Und ploetzlich kommt mir wieder in den Sinn, dass eine ehemalige Klassenkameradin zwei Stunden von hier wohnt, bin schon eingeladen, super.
Sonntag sechs Uhr, vor vier Stunden aufgestanden und der Kuehlschrank ist leer. Muss also einkaufen gehen jetzt.

Konkurrenz fuer Gestina

Gluecklicherweise bin ich mir als ehemalige Bewohnerin von Carrière 3 einiges gewohnt. Dennoch macht einen die Aneinanderreihung der Zwischenfaelle in Lavergne mit der Zeit staunen. Man erinnert sich noch an die waeschebezogenen Geschehnisse letzter Woche. Nun, das wird nicht mehr vorkommen, da die Leine naemlich einen fulminanten Abgang gemacht hat und die gesamte saubere Waesche (nicht meine, zum Glueck) mit sich in die Tiefe gerissen hat. Zudem hat der Thermostat keinen Regler mehr, das bedeutete in der ersten Woche frieren, nach der Intervention des Heizungsmannes schwitzen. Bei geschaetzten 28 Grad macht das Schlafen keinen Spass. Hinzukommt, dass die Wohnzimmerfenster fuer den Winter verriegelt wurden, der Hitze also durch nichts anderes Abhilfe geschaffen werden kann als die Ankunft des neuen Reglers, naechste Woche, inch'allah. Der Vorteil des Ganzen ist, dass der Waescheraum nun tuerkische Dampfbadqualitaeten erreicht, wenn die Waesche darin trocknet.

Die Woche zuvor, oder wann, verliere die Uebersicht, war Across The Universe, wiedermal das Phaenomen von niedriger Erwartung und heller Freude, nur haette ich gerne gesungen. Und auch Away From Her, wenn man nur so schoen sein koennte in alt.

Dann waren da noch erfreuliche Stunden mit kombinierten Russisch-Bogenschiesslektionen. Ein Abendessen mit dem Stalker, fuer dessen Beschreibung man eine treffende Uebersetzung von awkward erfinden muesste (die existiert naemlich nicht, wie mit Frau Schneider in langer Diskussion eruiert). Und Apple Crisp, laesst einen die miserable Schoggi vergessen. Morgen noch den ersten von sieben (!) Essays dieses Semester abgeben, mir wurde Milde mit der Grammatik versprochen.

Probleme und Wundern

Es begegnen einem immer wieder Komplikationen, von denen man nie gedacht haette, dass sie ueberhaupt auftauchen koennen. Manchmal wird man ihrer gewahr, weil einem das Fernsehen Loesungen praesentiert bevor man das Problem kennt. Manchmal muss man sie selber erleben. Wer haette zum Beispiel gedacht, dass Gummihandschuhe vom Regal ins Spuelbecken fallen, den Abfluss der Waschmaschine blockieren und zum Schluss eine Ueberschwemmung nicht nur in unserem gesamten Waschraum verursachen, sondern auch in demjenigen der Nachbarin unten? Oder dass sich die Waescheleine, an der ich mich anfangs so erfreut hatte (ueber den ganzen Garten, mit Raedchen, zum Ziehen) im Winde derart in meine Bettlaken verwickeln koennte, dass das Einholen der Waesche ohne die Hilfe des Nachbarn, der dazu seinen Van unterfaehrt und erklimmt, zum unmoeglichen Unterfangen wird? Da lernt man wieder das Wundern.

Weniger wundert die erste blutige Wunde des Bogenschiessens wegen. Oder der mittelmaessige Haarschnitt.

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