Sonntag.

Gestern war Sonntag, der schlimmste Tag der Woche, wegen seines grossen Einsamfuehlpotentials, vor allem nachdem die anfaengliche Begeisterung fuer Non-Stop-alte-Soaps-Sender etwas abgeflaut ist. Das aufkommende Heimweh beschloss ich mit einem Spaziergang im nahegelegenen Park zu bekaempfen, es war ja wieder einmal wunderschoenes Wetter und die Baeume sind so farbig wie man das bei uns nicht sieht. Den Eingang zum Park durchschritten, fiel mir sofort die immense Anzahl Steine auf. Ich liess mich aber nicht beirren und sagte mir, da gehst du jetzt durch und dahinter kommt dann der Park. Das tat ich eine halbe Stunde lang.
Vor einem Meer weisser Steine machte ich dann Halt. Die Laune hat es nicht gehoben, aber wenn man beginnt ueber Krieg nachzudenken, erscheint einem Heimweh so klein.
Danach bin ich nachhause, Rituale leben (Zigarette und Gin Tonic auf der Treppe vor dem Haus), sich an alten Freundschaften erfreuen und die Sonntagabendpflicht geniessen.
Ein guter Sonntag.

Happy Birthday Mama!

Was moechte man schon erzaehlen, wenn man im Besitz einer offiziellen Sozialversicherungsnummer ist. Wahrscheinlich bezeichnet dies das Ende jeglicher Amusements, bedeutet sie doch Arbeit, Sicherheit und legaler Lohn, allesamt Dinge, die man erst zusammen mit den Kindern will. Von denen will ich uebrigens schon ein paar, entgegen den Vermutungen des verschreibenden Arztes, der erst nach Kindeswunsch, dann nach Alter fragte und schon dabei war mir die Vorteile einer Sterilisation darzulegen, als ich wiederum nichts besseres wusste als lachen. Aber was soll man da schon sagen, er entschuldigte sich damit, dass er gedacht hatte ich sei mindestens dreissig und schon fiel er in die gleiche Kategorie wie die junge Zoellnerin. In Ontario allein sterben jaehrlich 78 Leute, weil die Aerzte sich nicht die Haende waschen zwischen den Patienten.
Die Zahlen sind frei erfunden, aber der Professor hat irgendwas in die Richtung gesagt, der Effekt bleibt ja gleich ob 50 oder 100, nicht. Wenn wir schon bei sauber sind, das ist wirklich schlimm mit meinen Mitbewohnern, ich habe mir Muehe gegeben, nicht in diese Rolle zu rutschen, doch es stellt sich heraus, dass ich die alleinige Putzkraft in unserem Haushalt bin. Die Rache bin ich mir noch am ausdenken, ist ziemlich schwierig, weil ein grosses Risiko von Mirinseigenefleischschneiden besteht.
Mir ist uebrigens bewusst, dass ich die ganze Zeit Woerter zusammenhaenge, die nicht zusammengehoeren und ich weiss auch, dass das meinen Schreibstil nicht cooler macht, sondern einen eher verzweifelten Anstrich hat, aber ich finde einfach, dass gewisse Woerter zusammengeschrieben werden sollten, weil sie nur dann das aussagen, was sie eigentlich aussagen wollen. Wer jetzt denkt, ich denke, ich weiss besser als die Grammatik,was die Woerter sagen wollen, der hat Recht.

Ausserdem ist die Bogenschiesstrainerin trotzdem Russin, also Georgierin und Kanadabeste, nur Englisch hat sie in Holland gelernt. Bei dieser Gelegenheit sollte man aber der Gerechtigkeit halber auch Claires Erfolg im Jahre 1993 erwaehnen, und ihre lustige Frisur dazu.

Borderline

Fast schon unheimlich wie glatt das gestern an der Grenze ging. Der Officer hat erstmal gefragt, was ich denn hier will, da hab ich gesagt, eigentlich will ich bloss wieder raus, und er aha, da brauchen Sie einen Wisch von uns, dass wir Sie nicht wollen. So sass ich dann also mit Mister J.- er und seine Misses hatten bestimmt, dass sie mich fahren wuerden, viel zu kompliziert sei es mit dem Bus - und wartete auf das Papier und wir machten uns ueber die Amis lustig, weil die nicht einsehen, dass Celsius und das metrische System viel sinnvoller sind und was fuer ein lustiger Mann Herr Fahrenheit doch war mit seinen Annahmen ueber die Koerpertemperatur und das Wasser. Um meine Friedfertigkeit zu demonstrieren hatte ich meine riesigen Peacezeichenohrringe angelegt, die einzige Frage, die ich seitens des Grenzwaechters waehrend der zwanzig Minuten Wartezeit erdulden musste lautete sodann: these earrings heavy? Leider musste ich lachen, im Nachhinein wurde mir klar was ich haette sagen sollen. Ich war nahe dran Misses J. umkehren zu lassen.
Als mir dann erfolgreich der Zutritt zu den U.S.A. verweigert worden war, wurde uns genehmigt zu wenden und nach Kanada zurueckzukehren. Dort erwartete mich eine freundliche junge Frau, aber dann fragte sie nach meinem Gewicht und ich hatte sie nicht mehr so gern. Zum Schluss klipste sie mir einen Zettel in den Pass und die Sache war vorbei. Im Vergleich zur Vorgeschichte geradezu laecherlich simpel.
Ach und Tags zuvor waren wir in einer Schoggifabrik. Die machen da alles mit Erdnussbutter, das passt mir nicht so; essen tu ichs natuerlich trotzdem. Und heute ist wieder Bogenschiessen, leider werde ich von einem Clubmitglied gestalkt und ich weiss noch nicht mal welcher es ist. Schreibt mir eine Mail und sagt er war der mit dem roten T-Shirt. Die Farbe der Club-T-Shirts ist rot.

Back to being an Archer

Carleton University hat eine neue Schuetzin. U of O unterstuetzt lediglich Cheerleader, da habe ich mich letztlich doch dagegen entschieden, ist einfach nicht gut fuer die Gelenke. Carleton erlaubt mir sogar wieder Zug zu fahren, um die positive Seite der Tatsache, dass ich nun zweimal die Woche eine Dreiviertelstunde reisen muss, um jeweils eine Stunde zu trainieren, herauszustreichen. Der ukrainische Coach antwortet als hollaendische Frau und ist zudem huebsch und spricht schoen. Nein, das war jetzt verwirrlich. Sie spricht schoen, obwohl ein russischer Akzent waere ja himmlisch. Die Kusine hat so getoent. Moechte man dem Klub beitreten, so sollte man einen aehnlichen Erfahrungsschatz wie ich mitbringen. Es erwarten einen satte zwoelf Seiten furchteinfloessender Formulare. Ich zitiere.
Warning! By signing this form you give up important legal rights.
Have you ever had any excessive thoughts about weight or appearance?
Females only: Any history of menstrual dysfunction?
Examples of Risks the participant may be exposed to on this trip: ...Intoxication and/or alcohol poisoning from the alcohol I consume during Team activities and all related activities whether voluntarily or through coercion resulting in illness, injury or death.
Och, mir gefaellts hier. Man wird im Alltag toll unterhalten.

international boat cruise

Es war ein strenger Abend, deshalb nur Eindruecke und Ueberlegungen anstellen heute.
Der russisch-irische Kanadier zeigt merkwuerdige Stalkereigenschaften, man bemerkt seine konstante Anwesenheit erst beim Fotos betrachten am naechsten Tag. Im Gegensatz zu einsamen Managment Studenten (wieviel Mal kann man auf einer dreistuendigen Fahrt begruesst werden?). Alleine Rauchen fuehrt bei kanadischen Frauen zu Mitleidsmalltalk, da fuehlte ich mich wirklich elend, in der Folge liess ich keinen Abstand von mehr als zwei Metern zu meiner Begleitung mehr zu. Mitbewohner koennen herrlich aus der Fassung geraten, wenn sie einmal von fremden Frauenhaenden durchs Haar gewuschelt wurden (I mean, I know it`s really soft, but she didn`t know that before). Als Hoehepunkt darf man ohne Weiteres bezeichnen, dass die Kusine an diesem ihrem letzten Abend die grosse Liebe fand. So gross wie eine Liebe in zwei Stunden Wellenschaukeln halt werden kann.

Steigerung der Lebensqualitaet, Lektion 1

Und doch noch mal die Faust ins Gesicht. Heute habe ich Post bekommen von Fribourg, eine nagelneue Bestaetigung, die war sogar auf Franzoesisch, da habe ich mich riesig drueber gefreut. Sofort geschnappt und damit zur Uni. Ja, alles korrekt. Fehlt nur noch das Abschlusszeugnis. CURVA (ich kann jetzt serbisch schimpfen). Natuerlich habe ich noch nie davon gehoert, dass die so was brauchen. Wozu auch? Die Zulassung habe ich aufgrund des Zwischenzeugnisses gekriegt, da schaut doch kein Schwein das Abschlusszeugnis an. Und die arme Frau A., also eigentlich ist das Problem nicht, dass ich sie eine Arme finde, sondern, dass ich Angst habe, dass sie mich hasst. Das mag ich naemlich nicht, wenn Leute mich hassen. Hinzu kommt ja immer noch der study permit und natuerlich - haette ich fast vergessen - muss ich danach noch eine socialinsurancenumber beantragen, damit ich ueberhaupt arbeiten kann. Und damit ich die Nummer beantragen kann muss ich ein offizielles Stellenangebotsformular beantragen. Ich vermute stark, dass ich der Faehigkeit, eine glueckliche Seele zu sein, immer naeher ruecke; dieses unglaubliche Mass an Resignation stumpft meine Sinne ab, das wiederum reduziert die Menge der unnuetzen, aeusserst anstrengenden Gedankengaenge, die mir das Leben und Lieben schwer machen und resultiert daher in einer positiven Wirkung auf meinen Allgemeinzustand.
Wer will darf mich Zwangsoptimistin schimpfen. Mir doch egal.

Meine Natelnummer hat 9-11 drin, gemerkt?

Heute regnets zum ersten Mal. Habe glaub gar nie erwaehnt, dass wir bis eben heute jeden Tag so zwischen 25 und 30 Grad Sonnenschein hatten? Na so wars jedenfalls. War ueberhaupt nicht vorbereitet auf schoenes Wetter, habe nur Wintersachen eingepackt, aber ich masse mir an zu behaupten, dass ich bezueglich Bekleidung ein gewisses Mass an Improvisationstalent besitze. Alles andere ist Geschmacksache. Ich habe wieder einiges gelernt ueber den kanadischen Studentenalltag. Facebook als Aequivalent zu Studivz zum Beispiel. Und man muss einen Thermoskaffeebecher haben um dazuzugehoeren. Rauchen ist nur in mindestens 9 Metern Abstand vom Gebaeude gestattet. Viele Leute kommen von Haiti, wobei das t wie ein s ausgesprochen wird, die Herkunft einiger Bekanntschaften ist mir deshalb erst gestern in Bett klar geworden. Zuspaetkommen kuemmert niemanden, man wird trotzdem freundlich begruesst und angelaechelt. Diese Lektion geht mit folgender einher: Busse haben morgens doppelt so lang.
Ansonsten bleibt zu sagen, ich weiss, fuenf Guertel in zwei Wochen sind zuviele, aber wie soll ich mich auch entscheiden?!
Kabel die von aussen durch die Wand hereingesteckt wurden sollte man an den Fernseher haengen, das ergibt siebzig Gratissender. Und wenn man einem Stinktier zu nahe kommt, dann sollte man in Ketchup oder Milch baden.

Beschweren zum Letzten

Ich sollte mal aufhoeren mit dem ganzen Beschweren, aber es ist einfach unglaublich, dass nichts auf Anhieb funktionieren kann. Habe kein Geld; was ich mir von meinem hart verdienten Schweizer Geld ueberwiesen habe ist irgendwo verschollen. 3000 Franken einfach weg. Zum Glueck habe ich saemtliche Energiereserven fuer Wutausbrueche wegen Papierkram schon aufgebraucht. Ich sitze nur da und schuettle den Kopf. Die von der Post stellen jetzt Nachforschungen an, wo das Geld wohl geblieben sein koennte und dafuer muss ich auch noch bezahlen. Wenn alles nichts nuetzt, so mache ich einen Spendenfonds auf zu meinen Gunsten, da zeigt sich dann, wer meine wahren Freunde sind.
Heute war erster Schultag, der Professor hat gesagt ich rede schoen franzoesisch, aber das ist auch keine Kunst bei dem Kauderwelsch, das die Frankokanadier zusammenreden, da ist das Francais federal (bilingue Uni, aber nur englische Tastaturen!) noch heilig dagegen. Die Quebequoisen geben immer damit an, dass sie das alte Franzoesisch sprechen, also eigentlich das richtige halt.
Freitagabend war lustig, meine Mitbewohner inklusive Kusine wollten nach Montreal, die eine des Freundes wegen, die anderen wegen Nachtleben und so. Da bin ich dann mit und das ist ein sehr lustiger Abend geworden, nach einer Nacht bei der befreundeten, dicken Lesbierin waren wir mariniert in Katzenhaaren (weiss), schwarzes T-Shirt, drei Stunden Schlaf und dieses Niesen die ganze Zeit. Leider war ich da zu muede fuer Siteseeing und bin Mittags mit dem Bus zurueck, die anderen weiter, ohne etwas von der Stadt gesehen zu haben. Aber das kann man auch spaeter noch. Das Schicksal, dass man am Schluss zwei Jahre da war ohne etwas gesehen zu haben ereilt mich bestimmt nicht. Inch'Allah.

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