vor sich hin

Manchmal breitet sich das Leben einfach so vor einem aus, und das einzige was man tun muss, ist sich reinlegen. Dann trägt es einen dahin, schön ziellos, mit ein paar heftigen Schlaglöchern, aber irgendwie kommt es auf die nicht an.

Vielleicht kann man Zufriedenheit dennoch geniessen. Vielleicht muss man sie nicht als Mittelweg hinnehmen. Vielleicht kann man sich an kleinere Wellenfrequenzen gewöhnen. Vielleicht werde ich häuslich in der Fremde.

CIMG0014

wegziehen

Nach einem ungeplanten Wochenende im Hotel in Smiths Falls, mit Regentagen und menschenleeren Fluren, sowie einer Geisterstadt des Abends, ein brüsker Übergang zum Umzug. Wegen unserer Ungeduld begann die Aktion am Sonntag um 19 Uhr, und um Mitternacht war noch nicht alles getan. Als am Montag einmal alles drin war, wurde die Malerin verschoben und bis Donnerstag mussten wir im Chaos hausen, nichts hat seinen Platz und mein Gehirn verwirrt sich gleich mit. Freitags bekamen die geerbten Möbel dann endlich ihre Stellung, und auch mein Kopf konnte wieder ruhen, aber anscheinend war es doch schon ein bisschen viel gewesen, und die letzten zwei Tage verbrachte ich mit jeweils zwei Stunden Unterbruch im Bett.
Ich weiss nicht ob ich es gut finden soll, dass einen das Gehirn vor emotionalen Schocks bewahren will und diesen dumpfen Schutzwall aufbaut, durch den sich alles ein bisschen wattig anfühlt, oder ob einen dies nur dazu verleitet sich zuviel zuzutrauen und einen dann wieder krank macht. Aber irgendwie habe ich auch nie gelernt zu wissen wann es zuviel ist bevor ich bettlägerig werde.

Zudem war da der erste Schnee, der anfang Woche fiel, und der unheimlich schön und immer ein bisschen melancholisch anzusehen ist, insbesondere jetzt aber, da wir auf die Bäume runtersehen.

Und auch, wann wurde es normal mit dem Freund zusammen zuziehen? Wieso gab es keine Opposition, nicht mal wo ich sie erwartet hätte?
Irgendwie fühle ich mich gleichzeitig alt und neu, und sehr weit weg von zuhause.

Von Seen und Strassen

Kanada-mit-Papa-068
Für zwei Wochen durfte ich jetzt ein bisschen erkunden, was man von Kanada gemeinhin erwartet. Das Abenteuer bestritten wir zu zweit, der Papa und ich. Ganze 2500 Kilometer Fahrt, wie mit dem Lineal gezogene Highways hauptsächlich, staubig-kurvige Kiesstrassen ansonsten. Die ersten Tage verbrachten wir auf Rudy Island, betreut von Greg, der uns fleissig mit Bier und Bootstouren versorgte, und ne Menge zu sagen hat zum Provincial Park und seinen Bewohnern. Danach ging es in etwa einer Woche um die Georgian Bay herum, mit Indianerreservaten, Frühstück in truck stops, Campieren, Fische braten, Fähre fahren, in Seen schwimmen, und Bier suchen/trinken. Zum Ende gabs noch die Falls, aber die gehen ja ziemlich unter in dem ganzen Getummel, und die Idee mit der Ketchupbeleuchtung sagte uns auch nicht gerade eben zu. Dann musste ich auch noch mit dem Kellner streiten und man verkaufte mir gefälschte Marlboros. Zurück in Ottawa gabs dann zum letzten Abend nochmals ein Country Konzert, das letzte von drei von D. bestrittenen, die wir in den zwei Wochen sahen. Der Vater hatte sich unterdessen einen Cowboyhut zugelegt, der ihm an diesem Abend Bier, ein Shotglas, eine CD und massig Komplimente einbrachte. Der Abschied war traurig, und alles schien zu kurz, ebenso dieser Abriss, man sollte einfach ein bisschen das Bild beschauen, und sich denken, ooooh, ich muss sie bald besuchen gehen. (Rudy Island, links im Bild)

Asylblues

Beim Studieren vergisst man gelegentlich ein bisschen wie das so ist, das Leben. Wen dieser Realitätsverlust bedrückt, der soll von meinem wertvollen Rat profitieren, und sich einmal ein bisschen im Asylsuchendenmilieu aufhalten. Einige Geschichten hören, und die Bilder, die man täglich um halb acht im Fernsehen vorbeiflackern sieht, vom Gegenüber beschrieben bekommen. Mit und ohne Tränen, mit Bitterkeit, Sachlichkeit, Wut, oder Schicksalsergebenheit. Man darf gerne die humanitäre Tradition unseres Bundes skeptisch betrachten, sich grundsätzliche Fragen stellen zur Aufstellung und Durchsetzung von Menschenrechten, und auch dazu, ob ungleiche ökonomische Stellungen als Grund für eine Massenemigration in unsere Richtung legitim sein sollen. Die Essays, die ich dafür schrieb, und die Recherchen, die ihnen vorangingen, erscheinen zuletzt einfach peinlich, wenn ich einem Kind ein Pflaster auf das verbombte Schienbein kleben muss.

Und plötzlich eine Lebensaufgabe.

Fertig mit dem Lotterleben, vorbei die Perspektivenlosigkeit. Seit gestern gibt's Milena.

Ambivalenz, wie versprochen

Also überhaupt, diese ständigen Gefühle, es ist nicht zum Aushalten. Wer möchte sich schon gefühlsam und einfühlsvoll rühmen, wenn er die Vernunft wählen kann. Aber dann auch wieder: wer kann das schon.
Im Sinne einer vernunftbeschämenden Aufreihung habe ich hier einige Ambivalenzklagen vorzubringen, als Denkanstoss für Daheimgebliebene, sozusagen. Man überlege sich zum Beispiel folgendes: Heimweh, Fernweh, gleichzeitig. Und wahrscheinlich auf Lebenszeit. Dann auch verabscheuen, vermissen, zeitgleich, beiderorts. Aber auch Nostalgie und Abschottungsbedürfnis, gleichzeitig, überall.

Einziger Trost: die Sache mit der Liebe, da darf man die geographischen Sorgen sogleich hintanstellen, und alle leiden mit.

die zeit läuft aus

Nach zwei nervösen Zusammenbrüchen habe ich dann dem Unistress abgeschworen und mich stattdessen unter Beihilfe zahlreicher fauler Ausreden dem genussreichen Leben (viel gute Musik, viel gutes Essen, viel gutes Bier) verschrieben. Womit die erste wichtige Frage nicht beantwortet, wohl aber überflüssig würde. Allerdings wird dennoch alles rechtzeitig fertig gemäss meiner Berechnungen. Zehnstündige Lernsessionen sind in ihrer quantitativen Auswirkung nicht zu unterschätzen, auch wenn unterdessen der eine oder andere gemütliche Tag einfliesst. Den Beitrag zu den ambivalenten Gefühlen betreffs meiner Abreise verschiebe ich auf einen emotional weniger beladenen Tag. Aber da ist viel Ambivalenz, es möchte einen fast zerreissen. Oder in den Worten D.'s "you should never get involved with geography".

ostern

Ottawa-Maerz-08-3-077

Nach einem langen, stillen Spaziergang fragte ich, wie man sich hier als Kind die Langeweile vom Leib hält, und er erzählte von seinem imaginären Freund.

Ottawa-Maerz-08-3-071

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

vor sich hin
Manchmal breitet sich das Leben einfach so vor einem...
Frau D. - 25. Nov, 14:01
wegziehen
Nach einem ungeplanten Wochenende im Hotel in Smiths...
Frau D. - 3. Nov, 00:32
Zeit
Ja meine liebe Stefanie. Das Zauberwort heist Zeit....
Defencemen - 15. Sep, 21:44
Von Seen und Strassen
Für zwei Wochen durfte ich jetzt ein bisschen...
Frau D. - 5. Sep, 15:35
Asylblues
Beim Studieren vergisst man gelegentlich ein bisschen...
Frau D. - 12. Jul, 14:58

Suche

 

Status

Online seit 491 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 25. Nov, 14:02

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
kostenloser Counter